Jetz Neu: Pit Picking

Steißbeinfistel vorgesehen. Dazu möchte ich Ihnen vorab einige Informationen zur Erkrankung der Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) geben.

Was ist eine Steißbeinfistel?

Eine Steißbeinfistel ist eine Erkrankung der Haarwurzel, die in der Gesäßfalte vorkommt. Sie betrifft vor allem junge Männer, die stark behaart sind. Es finden sich im chronischen Fall kleine Fisteln. Das sind röhrenförmige Gänge mit darin einliegenden Haaren (auch als „Pits“ bezeichnet). Im akuten Fall können auch Eitersammlungen (Abszesse) vorkommen. Diese liegen typischerweise außerhalb der Mittellinie. Ein akuter Steißbeinabszess wird in zwei Schritten behandelt. Zunächst muss der Abszess entlastet werden. Dies erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung, der Eiter fließt ab. Die Wunde bleibt anschließend offen und heilt sekundär (von innen nach außen) ab. Die Heilungsdauer richtet sich dabei nach der Größe des Abszesses. Nach der Abheilung erfolgt die operative Entfernung der Fisteln. Im Chronischen Fall (das kann auch nach Abheilung eines Abszesses sein) ist eine Heilung ohne Operation nicht zu erzielen.

Wie wird die Steißbeinfistel operiert?

Eine Methode ist die großflächige Ausschneidung des Gewebes mit anschließender offener Wundbehandlung. Dabei liegt die große Wunde in der Tiefe der Gesäßfalte. Die Wundheilung dauert lange (mehrere Wochen, durchschnittlich 70 Tage). Häufig treten Rezidive auf.

Bei häufigem Wiederauftreten von Steißbeinfisteln und auch bei sehr großen verzweigten Fistelgängen ist eine plastische Operation erforderlich (Karydakis-Operation). Dabei wird das gesamte veränderte Gewebe entfernt. Zum Verschluss der großen Wunde findet eine Verschiebung eines größeren Haut/Unterhautlappen statt, es erfolgt ein asymmetrischer Wundverschluss. Dadurch wird die Wunde aus der Gesäßfalte herausgehalten, die Gesäßfalte selbst wird abgeflacht. Die Gefahr eines Wiederauftretens kann damit langfristig auf unter 10% gesenkt werden. Diese Operation ist nur in Vollnarkose möglich und bedingt eine längere Heildauer. 2-3 Wochen nach der Operation ist eine strikte Schonung und Entlastung des Wundbereichs erforderlich.

Es gibt eine minimal invasive Methode, das sogenannte Pit-picking. Diese ist nur beim nicht voroperierten Patienten mit nicht besonders ausgeprägten Fistelsystem in Abszess freien Zustand möglich und erfolgsversprechend. Dabei werden die Fistelgänge („Pits“) mit den veränderten Haarwurzeln in der Mitte der Gesäßfalte mit nur einem minimalen Haut Saum entfernt (ge“pickt“). Eine weitere 1-2cm große Öffnung seitlich der Gesäßfalte, die ebenfalls gemacht wird, dient dem Abfluss. Haare in der Tiefe und entzündliches Gewebe werden durch die kleinen Löcher entfernt. Diese Operation findet in Bauchlage statt und ist ambulant in örtlicher Betäubung möglich. Nach Einwirken des Betäubungsmittels dauert die Operation nur wenige Minuten. Bei Abschluss des Eingriffs wird ein trockener Verband aufgelegt.

Wie ist die Nachbehandlung?

Eine spezielle Nachbehandlung der Wunden nach dem Pit-picking ist nicht erforderlich. Der Verband kann am Tag nach der Operation abgenommen werden. Eine Tamponade oder ein Offenhalten der Wunden sollte nicht erfolgen. In den ersten Tagen nach der Operation sollte eine Binde zum Schutz der Wäsche getragen werden, da es zum Nässen aus den kleinen Wunden kommen kann. Die Wunden können auch gelbliche Beläge zeigen und gelegentlich leicht bluten. Es sollten keine Salben benutzt werden. Körperliche Aktivität ist erlaubt, Sie dürfen alles tun! Duschen und baden ist ebenfalls erlaubt. In der Regel erfolgt eine kurzfristige Abheilung der Wunden in 2-3 Wochen, d.h. die Wunden sind dann trocken. In seltenen Fällen kann es länger dauern. Wir kontrollieren daher die Wunde 6 Wochen nach der Operation und bitten Sie um Wiedervorstellung in unserer Praxis.

Das sollten Sie beachten

Es ist bewiesen, dass Rauchen die Wundheilung verschlechtert! Für Raucher ist die Abheilungsrate geringer. Verzichten Sie daher in der Zeit nach der Operation auf das Rauchen. Ebenso sollten Sie auf Rasieren im Wundbereich verzichten. Auch das verschlechtert die Abheilung.

Was passiert bei fehlender Abheilung?

In 80% der Fälle erfolgt nach der Pit-picking Operation die vollständige Ausheilung. Dennoch kann es zu einem Rezidiv, d.h. einem Wiederauftreten der Steißbeinfistel kommen. In Absprache kann das Pit-picking mehrfach durchgeführt werden. Bei häufigeren Rezidiven und Risikofaktoren empfehlen wir die plastische Operation (s.o.).